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April 16th, 2012

Historie von der Fa. Polaris USA

Polaris – Vom Schneemobil bis zum Motorrad

Wie alle großen Erfolgsgeschichten beginnt auch diese Geschichte mit einer Idee. Und zwar im Amerika der 50er Jahre. Mit einer Hand voll Dollar und vielen Ideen fanden sich vor über 60 Jahren drei Männer zusammen, um eine Firma zu gründen, die heute ein Global Player in der Produktion von ATVs, Motorschlitten und Motorrädern ist. Die Rede ist von Polaris Industries. Doch in den Anfängen war man noch weit weg von den heutigen Produkten.

Es ist 1945. Der junge Edgar Hetteen will seine Idee, Telefonpfähle mit Hilfe einer elektrischen Winde und eines auf einen Pick Up montierten Krans aufzustellen, verwirklichen. Es scheint eine perfekte Geschäftsidee zu sein. Doch die finanziellen Mittel sind rar. Denn Edgar Hetteen, Sohn einer schwedischen Einwanderer-Familie, wächst auf einer Farm in der Nähe von Roseau/Minnesota auf. In der achten Klasse schmeißt er die Schule, um in der Landmaschinenwerkstatt seines Onkels zu helfen. Bevor es zur Verwirklichung seiner Idee mit den Telefonpfählen kommt, arbeitet er als Schweißer, Mechaniker und bei der Straßenmeisterei.

Um das Geld für die eigene Geschäftsidee aufzubringen überzeugt er Farmer, die er in seinen bisherigen Anstellungen kennen gelernt hat, ihm bereits jetzt eine Art Vorschuss auf zukünftige Reparaturen zu zahlen. Mit diesem Geld kauft er die ehemalige Tanzhalle in Roseau. Über Kontakte organisiert er Metall und notwendige kleine Maschinen für seine Produktion. Doch die bringt nicht viel ein und so wendet sich Hetteen an seinen Freund David Johnson, der noch in der US Marine seinen Dienst tut. Johnson überweist Hetteen jeden Monat elf Dollar seines 21 Dollar hohen Solds und wird so sein erster Partner. Als Hetteens jüngerer Bruder Allan 1948 den Schulabschluss macht, steigt er als dritter Partner in die Firma ein. Die nennt sich zwar Hetteen Hoist&Derrick (Hetteen Winden&Kräne), doch um zu überleben ist die Firma gezwungen alles zu reparieren, was anfällt. In diesem Zusammenhang beginnen sie auch Maschinen und Geräte zu entwickeln, die die Arbeit der Farmer leichter machen. Dazu zählen Aussaatmaschinen, Düngemittelspritzer und mobile Förderbänder. Der Hetteen Strohhäcksler wird zum Verkaufsschlager. 1954 hat die Firma Hetteen Hoist&Derrick bereits 30 Mitarbeiter. Edgar Hetteen beschließt, dass es Zeit ist den Firmennamen zu ändern. In seinen Memoiren erklärt Hetteen: “Wir haben den Namen in Polaris Industries geändert. Polaris ist der lateinische Name für den Nordstern und wir waren mit unserer Firma in Roseau, nahe der kanadischen Grenze, soweit nördlich wie man nur sein konnte. Industries deshalb, weil man unter diesem Begriff einfach alles produzieren konnte, was wir wollten ohne sich auf etwas Besonderes festlegen zu müssen”.

Es ist Dezember 1955 und tiefer Winter in Roseau. Edgar Hetteen ist in Kalifornien. David Johnson nutzt dessen Abwesenheit und baut mit zwei seiner Mitarbeiter, Orlen Jonson und Paul Knochenmus das erste Polaris Schneemobil. Johnson ist, wie viele seiner Zeitgenossen, gerne in der Natur unterwegs. Jagen gehen, Ski fahren oder einfach die winterliche Natur genießen. Da die Mobilität mit Schneeschuhen sehr eingeschränkt ist, hat er die Idee einen motorisierten Schlitten bauen. Die Antriebskette stammt von einem ihrer Förderbänder, als Skier werden die Stoßstangen eines alten Chevys zurechtgebogen. David Johnson, der sich bei der Montage des Schlittens den Zeh bricht, wird durch Orlen Johnson als erster Testfahrer ersetzt. Ein 9 PS starker B&S Motor treibt das über 700 kg schwere Schneemobil mit knapp 6 km/h durch den Schnee – wegen der schwergängigen Lenkung direkt in eine Schneewehe hinein, wo es steckenbleibt. Es ist der 10. Januar 1956. Johnson und seine beiden Mitarbeiter machen sich sogleich an die Verbesserung ihres Spielzeugs. Als Edgar Hetteen zurückkommt, ist er entsetzt, dass die Drei, statt den Betrieb aufrecht zu erhalten und Geld zu verdienen, sich mit dem Bau eines überdimensionierten Spielzeugs befasst haben. Johnson soll das Mobil schnellstmöglich wieder loswerden. Während besonders Edgar Hetteen noch Tage nach der Rückkehr nicht besonders gut auf das Schneemobil zu sprechen ist, passiert das Unfassbare. David Johnson verkauft tatsächlich das erste Polaris Modell.

Pete Peterson, der eine Holzhandlung auf der gegenüberliegenden Straßenseite von Polaris Industries hat erwirbt das Gerät für 465 US$. “Er war der perfekte Tester für uns”, erinnert sich Johnson viele Jahre später. “Ständig mussten wir raus, um irgendetwas an dem Motorschlitten zu reparieren. So kam es, dass ich Edgar vom Bau eines zweiten Modells zum Abschleppen überzeugen konnte, denn die Reparaturen, zu denen wir nur mit Schneeschuhen ausrücken konnten, verschlangen enorm viel Zeit”. In den nächsten drei Jahren steigern sich die Verkäufe der Polaris Motorschlitten von fünf auf 300 Stück. Die ersten Modelle tragen den Namen Sno-Traveler.

Polaris steigt bis Anfang der 60er Jahre aus dem ursprünglichen Geschäft der landwirtschaftlichen Gerätschaften aus, doch nicht ohne interne Konflikte. Die ursprüngliche Personenfirma ist mittlerweile eine Gesellschaft mit Sitz in Roseau. Die Hetteen Brüder und auch David Johnson sind weiterhin, von einem Firmenvorstand kontrolliert, die Geschäftsführer. Doch nicht alle im Aufsichtsrat teilen die Begeisterung der drei Geschäftsführer mit den Motorschlitten. Warum ein gut laufendes, sicheres Geschäft wie den Landmaschinenhandel aufgeben und ein risikoreiches neues beginnen? Edgar Hetteen entschließt sich, nach einem Gespräch mit dem Buschpiloten Rudy Billberg, einem guten Freund aus Kindertagen, der in Alaska lebt, die Zuverlässigkeit der Polaris Mobile zu beweisen.

Am 4.März 1960 brechen Hetteen, Billberg und seine Frau sowie Polaris Mitarbeiter Earling Folk von Bethel zu einer fast 2.000 Kilometer langen Fahrt durch die Wildnis Alaskas Richtung Fairbanks auf. 21 Tage sind sie den Naturgewalten ausgesetzt. Schneestürme, Minusgrade, Abschnitte ohne Schnee, Abschnitte mit Wasser statt Eis und auch mechanische Probleme säumen ihren Weg. Doch Edgar Hetteen und seine Mannschaft halten durch. Wie er später sagt, wird ihm erst am letzten Tag vor Erreichen des Ziels in Fairbanks klar: “Erst auf der rauen, unebenen Schneedecke in Sichtweite von unserem Ziel erkannte ich wirklich: Die Maschinen würden ein Erfolg für Polaris werden. Was ich nicht wusste, war wie groß dieser Erfolg sein würde”.

Landesweit griffen die Medien die Geschichte des Polaris Alaska Abenteuers mit Begeisterung auf. Die einzigen, die nicht begeistert schienen, waren immer noch Teile des Firmenvorstandes. Sie bezeichneten Hetteens Abenteuer als kostspielig und ohne Mehrwert für die eigentliche Geschäftstätigkeit von Polaris.

Zwei Monate später hatte Hetteen einen Käufer für die Polaris Schneemobil-Produktion gefunden. 150.000 Dollar war dieser bereit zu investieren. Diese Zahl präsentierte er im Sommer 1960 dem Vorstand, der erst jetzt den Wert der neuen Fahrzeuge erkennt. Er verhindert den Verkauf und beschließt die zukünftige Konzentration auf die Produktion von Motorschlitten. Doch für Hetteen kommt diese Einsicht zu spät. Er erklärt noch in derselben Sitzung seinen Rückzug von Polaris. Er verkauft seine Anteile und zieht nach Alaska, wo er einen Neustart mit dem Aufbau einer Fluggesellschaft wagen will. Sein Bruder Allan übernimmt ab diesem Zeitpunkt für die nächsten zehn Jahre die Führung als oberster Geschäftsführer von Polaris. Er stirbt 1973 bei einem Unfall.

Edgar Hetteens zweiter Aufenthalt in Alaska verläuft nicht so erfolgreich wie geplant. Nur wenige Monate später nimmt er das Angebot einer Investorengruppe an, eine eigene Motorschlitten-Produktion aufzubauen. In Thief River Falls, 100 Kilometer südlich von Roseau entfernt, kauft er ein ehemaliges Lagergebäude und beginnt mit der Produktion. Seine Firma nennt sich Polar Manufacturing Company. 1962 wird sie in den Namen Arctic Cat tragen.

Der Schneemobilmarkt beginnt in den 60er Jahren in den USA stark zu wachsen. Die Geschäftsführer Allan Hetteen, David Johnson und Carl Wahlberg erkennen, dass Polaris ein Volumen erreicht hat, das sie selbst nicht mehr händeln können. Sie überlegen, sich selbst entweder durch erfahrene Manager zu ersetzen oder Polaris an einen großen Konzern zu verkaufen, der versteht, wie wichtig die Verbundenheit zum Standort Roseau für Polaris ist. Die drei entschließen sich zum Verkauf.

Den idealen Konzern finden sie in Textron, der u.a. an der Produktion von Bell Hubschraubern beteiligt ist. Polaris erhält so neben einem professionellen Management auch das notwendige Geld für die Entwicklung ihres neuen Hauptgeschäftszweiges, den Schneemobilen.

Lagen die Schneemobilverkäufe 1968 noch bei etwa 68.000 Einheiten weltweit, so explodierten sie 1969 von 255.000 auf 425.000 in 1970. Es gab zu diesem Zeitpunkt weltweit rund 100 Motorschlitten-Hersteller. Durch sportliche Erfolge bei verschiedensten Rennen wandelt sich das Image des Schneemobils vom Nutz- zum Freizeitfahrzeug. Doch der Boom bricht in der Ölkrise der 70er Jahre Stück für Stück zusammen.

Dazu kommen schneearme Winter und eine schwache Wirtschaftslage. Nur wenige Firmen verbleiben im Markt. Dazu gehören neben Polaris auch deren stärkster Konkurrent Bombardier mit einem Marktanteil von 40 Prozent, sowie Arctic Cat, Scorpion, Sno-Jet, Harley Davidson, Johnson&Evinrude und einige japanische Hersteller. Anfang der 80er Jahre sind jedoch auch viele dieser Namen verschwunden.

Aber auch für Polaris sieht es nicht gut aus. Die Verkäufe sind um 50 Prozent gesunken. Der Textron Konzern will sich von seinem ehemals profitablen Mitglied Polaris trennen. 1980 wird ein Käufer gesucht und in Bombardier gefunden. Kaum ist die neue Partnerschaft angekündigt, meldet sich Arctic Cat zu Wort. Man will vor Gericht ziehen und die Legalität des Polaris-Bombardier Deals untersuchen lassen. Bombardier lässt noch vor den Gerichtsverhandlungen von seinem Übernahme Vorhaben ab. Doch der angeschlagene Polaris Konzern steht jetzt ohne einen Käufer da.

Die Zukunft ist mehr als unsicher. Die Geschäftsführung unter W. Hall Wendel Jr. und andere gewichtige Geschäftsleute, die mit Polaris in den letzten Jahren zu tun hatten sowie Mitbegründer David Johnson, treffen sich und beschließen Polaris mit eigenem Kapital zu kaufen. Am 21. Juli 1981 feiert man in Roseau den “Polaris Unabhängigkeitstag”. 1984 kehrt Edgar Hetteen zu Polaris zurück und nimmt die Position des Pressesprechers für den Bereich Schneemobil ein.

Den neu entstehenden Quad Markt zu betreten, war für Polaris ein großer Schritt. Denn neben der Entwicklung und Produktion der Vierräder hatte Polaris gegenüber den finanzstarken japanischen Herstellern einen entscheidenden Nachteil. Das Händlernetz war nur in den US-Staaten mit konstanter Schneedecke existent. Im für Quads wichtigen Südosten der USA kannte niemand den Namen Polaris. Vor einer erfolgreichen Vermarktung musste echte Pionierarbeit geleistet werden. So ist es nicht verwunderlich, dass bei diesem ersten schwierigen Prozess sogar Gebrauchtwagenhändler als Polaris-Stützpunkte mit einbezogen wurden. Doch es funktionierte und Polaris macht die ersten erfolgreichen Schritte im Quad-Segment. Im Gegensatz zur großen japanischen Konkurrenz mit Schaltgetriebe verwendet Polaris in seinem ersten Quad, dem Trail Boss 250, ein CVT-Automatik Getriebe.

“Das wird der Quad Markt niemals akzeptieren. Der Kunde will Gänge schalten”, ist eine der höflicheren Kritiken. Doch Polaris überzeugt seine Kunden mit der wesentlich einfacheren Handhabung. Jahre später führt jeder Hersteller überwiegend Automatikgetriebe in seinem ATV Programm. Als der Trail Boss am 21. Juli 1984 offiziell zum 30ten Polaris Jubiläum vorgestellt wird ist er mit damals bahnbrechenden und heute selbstverständlichen Neuerungen ausgerüstet. Gepäckträger, Trittbretter statt Fußrasten, und einer effektiven Front Federung und dem CVT-Getriebe. Die ATV-Modellpalette entwickelt sich langsam aber stetig weiter. Immer wieder überrascht Polaris mir wegweisenden Neuerungen. Doch das markanteste Polaris ATV Modell ist der 1995 vorgestellte Sportsman 500. Bahnbrechend ist der Fahrkomfort hauptsächlich durch die Einzelradaufhängung vorne und hinten und die damit einhergehende und bis dato ungekannte Bodenfreiheit. Obendrein besitzt die Sportsman 500 den größten und stärksten Motor auf dem ATV Markt. Erst drei Jahre später gelingt es der Konkurrenz überhaupt etwas Vergleichbares auf den Markt zu bringen. Das Sportsman ATV wurde bisher weltweit weit über eine Millionen Mal verkauft.

Neben den ATVs produziert Polaris die Ranger- und RZR-Side by Side-Familie. Dem ehemaligen Hauptgeschäft mit den Schneemobilen ist Polaris über die Jahre mit all ihren Höhen und Tiefen treu geblieben. Neues Mitglied der Polaris-Familie seit 1998 ist die Motorrad-Marke VICTORY, die  in den Werken von Polaris entwickelt und montiert wird.